Matthias Brenner•vor 1 Woche SULMSEE – Wasser zurück in den StadtparkEine neue Mitte für Neckarsulm – naturnah, lebendig und identitätsstiftend.Der Stadtpark Neckarsulm besitzt das Potenzial, zu einem der attraktivsten innerstädtischen Aufenthaltsorte der Region zu werden.Die Idee eines neuen Sulmsees verbindet Stadtentwicklung, Natur, Klimaanpassung und die Geschichte Neckarsulms auf besondere Weise. Im Mittelpunkt steht dabei ein einfacher Gedanke: Die Sulm wird wieder sichtbar und erlebbar – mitten in der Stadt, die ihren Namen trägt.Gerade vor dem Hintergrund der historischen Verdolung der Sulm in Teilen des Stadtgebiets könnte der neue See einen starken symbolischen Bezug schaffen. Wasser, das über Jahrzehnte vielerorts aus dem Stadtbild verschwunden ist, wird wieder zu einem sichtbaren Bestandteil Neckarsulms.Der Name Neckar-Sulm bekommt damit im Stadtpark einen unmittelbar erlebbaren Bezug. Anstelle einer technisch aufwendigen Wasseranlage entsteht ein naturnaher, vergleichsweise flacher See, der über einen kleinen Bachlauf mit Wasser aus der Sulm versorgt wird. Ein solcher See muss keine große Wassertiefe besitzen: Entscheidend ist der kontinuierliche und steuerbare Wasseraustausch. Über einen geregelten Zu- und Abfluss zur Sulm kann das Wasser regelmäßig erneuert und die Wasserqualität unterstützt werden. Der Zulauf selbst wird Teil des Erlebnisses. Als schmaler, natürlicher Bachlauf schlängelt er sich durch den vorhandenen Park und macht das Wasser bereits auf seinem Weg zum See sichtbar. Grün statt gelb – Wasser als Antwort auf heißere SommerDie vergangenen Sommer zeigen zunehmend, wie stark innerstädtische Grünflächen unter Hitze und Trockenheit leiden. Große Rasenflächen verwandeln sich zeitweise in trockene, gelbe und verbrannte Flächen. Eine dauerhafte Wasserfläche schafft hier einen völlig anderen Charakter. Der Sulmsee könnte das Mikroklima im Stadtpark verbessern, die unmittelbare Umgebung abkühlen und insbesondere an heißen Sommertagen die Aufenthaltsqualität deutlich erhöhen. Statt einer ausgedörrten Rasenfläche entsteht ein dauerhaft attraktiver Mittelpunkt aus Wasser, Grün und Schatten. Dabei gilt ausdrücklich: Der vorhandene Baumbestand ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzeptes und soll erhalten bleiben.Die großen, gewachsenen Bäume prägen den Park und sind für Schatten, Klima und Aufenthaltsqualität heute schon von enormem Wert. Der See soll deshalb in den vorhandenen Baumbestand hineingeplant werden – nicht umgekehrt. Einzelne jüngere beziehungsweise erst kürzlich gepflanzte Bäume könnten, sofern erforderlich, fachgerecht an andere Stellen im Stadtpark versetzt werden. So lässt sich die neue Wasserlandschaft schaffen, ohne den wertvollen alten Baumbestand aufzugeben.Ein neuer Lebensraum mitten in NeckarsulmDer Sulmsee wäre dabei weit mehr als eine attraktive Wasserfläche. Flache Uferbereiche, Schilf, Gräser, Stauden und heimische Wasserpflanzen könnten einen neuen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten schaffen. Gerade die Übergangszone zwischen Wasser und Land besitzt einen hohen ökologischen Wert. Insekten, Libellen, Schmetterlinge und andere Kleintiere finden neue Lebensräume und Nahrungsquellen. Gleichzeitig wird der See zu einer wichtigen Trink- und Rastmöglichkeit für Vögel im innerstädtischen Bereich. So entsteht mitten im Stadtzentrum ein kleines, miteinander verbundenes Ökosystem. Mehr Wasser bedeutet damit auch: * mehr Biodiversität, * mehr Lebensraum für Pflanzen und Insekten, * Wasser- und Rastmöglichkeiten für Vögel, * bessere Bedingungen während heißer und trockener Sommer, * und eine stärkere Vernetzung vorhandener Grünflächen.Kultur direkt am Wasser Ein besonderer Baustein könnte eine kleine Seebühne beziehungsweise ein multifunktionaler Aufenthaltsbereich am Ufer werden. Die Lage wäre geradezu ideal: In kurzer Entfernung befinden sich mit der Ballei, der Musikschule und weiteren kulturellen Einrichtungen bereits wichtige Veranstaltungsorte. Auch Initiativen wie Kreativ – Kultur im Unterland e.V. könnten das Umfeld für kleine kulturelle Beiträge nutzen.Vorstellbar wären beispielsweise kleinere: * Musikauftritte, * Akustikkonzerte, * Lesungen, * Schul- und Musikschulaufführungen, * Kleinkunstveranstaltungen, * saisonale Veranstaltungen oder * spontane kulturelle Beiträge. Die Seebühne müsste dabei keine große Veranstaltungsfläche sein. Gerade ihr kleiner, niedrigschwelliger Charakter könnte ihren besonderen Reiz ausmachen. Der See würde damit nicht nur Naturraum, sondern auch Begegnungs- und Kulturraum. Der Stadtpark verändert auch am Abend sein Gesicht Mit einer zurückhaltenden, hochwertigen Beleuchtung könnte der Sulmsee nach Einbruch der Dunkelheit eine völlig neue Atmosphäre entfalten. Gezielt beleuchtete Uferbereiche, einzelne Bäume, Schilfzonen oder der Bachlauf könnten den See abends in einem besonderen Licht erstrahlen lassen, ohne die Natur durch übermäßige Beleuchtung zu belasten. So entsteht ein Stadtpark, der nicht nur tagsüber funktioniert, sondern auch in den frühen Abendstunden Aufenthaltsqualität und Identität bietet. Ein beleuchteter Sulmsee könnte sich zu einem unverwechselbaren Stadtbild Neckarsulms entwickeln.Bestehendes bewahren – Neues sinnvoll ergänzenDas Konzept soll den Stadtpark nicht komplett verändern. Im Gegenteil: Seine vorhandenen Qualitäten bilden die Grundlage. Große Bäume bleiben erhalten. Bestehende Wege werden weitgehend eingebunden. Vorhandene Grünstrukturen bleiben Bestandteil des Parks. Der See ergänzt – er verdrängt nicht. Wo heute überwiegend Rasenfläche vorhanden ist, entsteht eine abwechslungsreiche Landschaft aus Wasser, Ufer, Pflanzen und Aufenthaltsflächen. Damit wird aus einer vergleichsweise intensiv zu pflegenden Fläche ein dauerhaft prägendes Landschaftselement.Vom technischen Brunnen zum natürlichen WasserkreislaufGleichzeitig bietet das Projekt die Möglichkeit, bestehende technische Strukturen grundsätzlich neu zu denken. Der heutige Spargelbrunnen benötigt erhebliche Mengen Wasser und Energie. Dem gegenüber steht die Idee, künftig das ohnehin vorhandene Wasser der Sulm selbst zum Gestaltungselement zu machen. Anstatt Wasser dauerhaft technisch zu inszenieren, entsteht ein natürlicher Kreislauf: Sulm → naturnaher Zulauf → Sulmsee → geregelter Abfluss → Sulm Der Wasseraustausch kann dabei technisch gesteuert werden. Gerade dadurch könnte ein vergleichsweise flacher See ausreichend durchströmt werden. Was Neckarsulm mit dem Sulmsee gewinnen könnte: Der neue Sulmsee verbindet viele Ziele in einem Projekt: Klima: Mehr Wasser und Vegetation verbessern das Mikroklima und schaffen einen attraktiven Aufenthaltsort auch während heißer Sommer. Natur: Neue Lebensräume für Pflanzen, Insekten und Vögel entstehen mitten in der Stadt. Stadtbild: Aus einer im Sommer häufig trockenen Rasenfläche wird ein dauerhaft prägender Ort. Identität: Die Sulm wird wieder sichtbar – mit einem starken historischen Bezug zur Sulmverdolung und zum Namen Neckarsulm. Aufenthaltsqualität: Wasser, Schatten, Sitzbereiche und Wege schaffen einen Ort zum Verweilen für alle Generationen. Kultur: Eine kleine Seebühne verbindet den Park mit Ballei, Musikschule und der lokalen Kulturszene. Nachhaltigkeit: Vorhandene große Bäume werden bewahrt, junge Bäume bei Bedarf versetzt und bestehende Parkstrukturen integriert. Atmosphäre: Eine behutsame Abendbeleuchtung kann dem Stadtpark einen völlig neuen Charakter geben. Aus dem Stadtpark wird ein Park am Wasser. Ein Ort, an dem Neckarsulm seinen Namen wieder erleben kann.Kein verbrannter Rasen im Sommer.Mehr Natur.Mehr Stadtklima.Mehr Lebensqualität.Mehr Identität.SULMSEE- Natur. Wasser. Kultur. Lebensqualität. Mitten in Neckarsulm.